Unruhige Beine rauben den Schlaf? Alles über das Restless-Legs-Syndrom (RLS)

Veröffentlicht: 23.Juni 2026
Author:Julia Soschinski

Kennen Sie das Gefühl? Sie liegen abends gemütlich im Bett oder auf dem Sofa, und plötzlich macht sich ein unbezwingbarer Bewegungsdrang in Ihren Beinen breit. Es zieht, es drückt und es kribbelt – eine unserer Patientinnen beschrieb es treffend: „Es fühlt sich an, als wären 100 Mäuse in den Beinen“.

Das können Symptome des Restless-Legs-Syndroms (RLS), zu Deutsch das Syndrom der unruhigen Beine sein.

Was genau ist das Restless-Legs-Syndrom?

  1. Das RLS ist eine neurologische Erkrankung, die durch fünf typische Merkmale gekennzeichnet ist:
    Ein starker Bewegungsdrang der Beine, der meist von einem Kribbeln oder Missempfindungen bis hin zu Schmerzen begleitet wird.
  2. Die Beschwerden verschlechtern sich in Ruhephasen (z. B. beim Sitzen oder Liegen)
  3. Bewegung wie Umhergehen oder Dehnen lindert die Symptome – zumindest so lange, wie die Bewegung andauert.
  4. Die Beschwerden treten vor allem abends oder nachts auf.
  5. Andere medizinische Ursachen (wie z.B. Arthritis oder Muskelkrämpfe) sind ausgeschlossen worden.

Die Folgen sind oft gravierend: Betroffene leiden dann unter starken Ein- und Durchschlafstörungen. Die daraus resultierende Tagesmüdigkeit kann den Alltag massiv einschränken und sogar andere, bestehende Schmerzen im Körper verstärken.

Wer ist betroffen und wo liegen die Ursachen?

Das Syndrom ist gar nicht so selten: In Westeuropa und den USA sind etwa 5 bis 10 % der Bevölkerung betroffen, wobei Frauen doppelt so häufig an RLS erkranken wie Männer.

Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, man geht jedoch von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus:

  • Genetische Veranlagung: Oft tritt RLS familiär gehäuft auf.
  • Eisenmangel: Ein niedriger Eisenspeicher (Ferritin) im Körper ist ein bekannter Auslöser.
  • Medikamente: Bestimmte Antidepressiva oder Medikamente gegen Übelkeit können RLS begünstigen.
  • Weitere Faktoren: Begleiterkrankungen wie chronische Nierenleiden oder auch eine Schwangerschaft können das Syndrom auslösen.

Wie wird das RLS behandelt?

Die gute Nachricht: RLS lässt sich heute gut behandeln. Eine Therapie ist immer dann sinnvoll, wenn der individuelle Leidensdruck hoch ist und die Lebens- und Schlafqualität stark eingeschränkt sind.

1. Nicht-medikamentöse Maßnahmen:

Oft helfen schon kleine Veränderungen im Alltag. Dazu zählen eine gute Schlafhygiene und damit gegebenenfalls auch der Verzicht auf Alkohol und koffeinhaltige Getränke, regelmäßige Bewegung (z. B. Nordic Walking), Massagen der Unterschenkel, Kälteanwendungen oder auch einfach das Laufen barfuß.

2. Medikamentöse Therapie:

Wenn ein Eisenmangel vorliegt, steht die Eisensubstitution an erster Stelle. Ansonsten gibt es sehr wirksame Medikamente, die den Dopamin-Haushalt im Gehirn regulieren. Hier gilt jedoch: So spät wie möglich beginnen und in der geringstmöglichen Dosis, um Nebenwirkungen zu vermeiden.
Auch wenn das Restless-Legs-Syndrom den Alltag und den Schlaf erheblich belasten kann: Niemand muss sich dauerhaft damit abfinden – dank moderner Therapieansätze lassen sich die unruhigen Beine heute in den meisten Fällen erfolgreich beruhigen.