Ratgeber Psoriasis-Arthritis: Wenn die Schuppenflechte auf die Gelenke schlägt
Veröffentlicht: 3.August 2026
Author:Julia Soschinski
Viele Menschen kennen die Schuppenflechte (Psoriasis) als Erkrankung der Haut. Was oft weniger bekannt ist: Die Entzündung kann auch auf Gelenke, Sehnen und die Wirbelsäule übergreifen. In diesem Fall spricht man von einer Psoriasis-Arthritis (PsA).
Dieser kleine Ratgeber beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Erkrankung, von den typischen Symptomen bis hin zu den heutigen Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist Psoriasis-Arthritis und wie häufig ist sie?
Die Psoriasis-Arthritis ist eine Form der Gelenkentzündung (Arthritis), die meist in Kombination mit einer Schuppenflechte an Haut und Nägeln auftritt. In Deutschland sind schätzungsweise rund 200.000 Menschen davon betroffen.
- Etwa 20 bis 40 % der Psoriasis-Patienten entwickeln im Laufe ihres Lebens zusätzlich diese Gelenkentzündung.
- Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen, bei Frauen zeigen sich jedoch oft ausgeprägtere Beschwerden.
- Meist treten die Gelenkprobleme erst Jahre nach den Hautveränderungen auf. Bei etwa 10 % der Betroffenen ist es jedoch umgekehrt: Die Gelenke schmerzen, bevor die Hautveränderungen sichtbar werden.
Welche Symptome sind typisch bei einer Psoriasis-Arthritis?
Die Erkrankung zeigt sich bei jedem Patienten anders und die Schwere der Haut- und Gelenkbeschwerden muss nicht zwingend übereinstimmen. Typische Anzeichen sind:
- Asymmetrische Gelenkschmerzen: Oft schmerzen Gelenke nur auf einer Körperhälfte, etwa an Knie-, Schulter- oder Sprunggelenken. Auch Finger- und Zehengelenke können betroffen sein.
- „Wurstfinger“ oder „Wurstzehen“ (Daktylitis): Manchmal schwillt ein ganzer Finger oder Zeh schmerzhaft an.
- Sehnenschmerzen: Eine Entzündung der Sehnenansätze (z.B. an der Achillessehne) ist ein häufiges Problem. Diese äußert sich oft durch Ruheschmerz, Schmerzen in der Nacht und eine morgendliche Steifigkeit der Gelenke, die länger als 30 bis 60 Minuten anhält. Bewegung bringt oft Linderung. Mediziner vermuten, dass eine mechanische Überlastung der Sehnen die Entzündung anfeuern kann (sogenanntes Köbner-Phänomen).
- Entzündlicher Rückenschmerz: Vor allem die Brust- und Lendenwirbelsäule kann schmerzen. Typisch ist ein schleichender Beginn vor dem 40. Lebensjahr, nächtliche Schmerzen in der zweiten Nachthälfte und eine Besserung durch Bewegung.
- Weitere Begleiterscheinungen: Neben den typischen Hautplaques und Nagelveränderungen können auch Augenentzündungen (Uveitis, Konjunktivitis) auftreten.
Wer hat ein erhöhtes Risiko?
Patienten, die bereits an Schuppenflechte leiden, haben ein höheres Risiko für eine Gelenkbeteiligung, wenn bei ihnen folgende Faktoren vorliegen:
- starkes Übergewicht (Adipositas)
- schwer ausgeprägte Psoriasis der Haut
- Befall von Kopfhaut, Nägeln oder Hautfalten (sog. inverse Psoriasis)
- Psoriasis-Arthritis in der engen Verwandtschaft
Wie wird die Diagnose gestellt?
Da es keinen einzelnen Blutwert gibt, der die Erkrankung sofort beweist, gleicht die Diagnose oft einem Puzzle, das Rheumatologen und Dermatologen gemeinsam zusammensetzen.
- Fragebögen: Mit Patientenfragebögen wie dem GEPARD-Fragebogen lassen sich Beschwerden wie Gelenkschwellungen oder Morgensteifigkeit gut erfassen.
- Blutuntersuchungen: Spezifische Rheuma-Werte („Rheumafaktor„) sind meistens negativ und auch die allgemeinen Entzündungswerte im Blut können unauffällig sein. Bestimmte genetische Marker (wie HLA-B27) treten jedoch häufiger auf.
- Bildgebung: Ultraschall ist eine schnelle Methode, um oberflächliche Sehnenentzündungen zu erkennen. Ein MRT (Magnetresonanztomographie) zeigt sehr frühe und tieferliegende Entzündungen, insbesondere an der Wirbelsäule. Das Röntgenbild macht späte knöcherne Veränderungen sichtbar.
- CASPAR-Kriterien: Ein medizinisches Punktesystem, bei dem unter anderem Hautbefunde, Nagelveränderungen, Rheumafaktoren und bestimmte Knochenneubildungen bewertet werden, hilft den Ärzten bei der endgültigen Diagnose.
Welche Behandlungsstrategien gibt es?
Eine Psoriasis-Arthritis schränkt die Lebensqualität oft stärker ein als eine reine Hautpsoriasis. Das oberste Ziel der Therapie (nach den aktuellen EULAR-Empfehlungen) ist es daher, die Krankheitsaktivität so weit zu senken, dass die Patienten beschwerdefrei leben können (Remission):
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen & Lebensstil: Betroffene können selbst aktiv werden. Empfohlen werden der Verzicht aufs Rauchen, Physiotherapie, Trocken- und Wassergymnastik sowie gelenkschonende Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen. Wichtig ist auch die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Übergewicht, Bluthochdruck oder Diabetes.
- Medikamentöse Therapie: Je nach Schweregrad gibt es ein Stufenschema:
- Bei leichten Beschwerden helfen entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR).
- Führt dies nicht zum Ziel, kommen sogenannte Basistherapeutika (z.B. Methotrexat) zum Einsatz.
- Bei schweren Verläufen oder Beteiligung der Wirbelsäule werden hochmoderne, zielgerichtete Medikamente eingesetzt. Dazu zählen sogenannte Biologika (z.B. TNF-Hemmer oder Interleukin-Hemmer) sowie JAK-Inhibitoren, die gezielt in den Entzündungsprozess des Körpers eingreifen.
Die IMST (Interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie)
Wie bei vielen anderen chronischen Schmerzerkrankungen kann bei stark belastenden Verläufen auch eine interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie (IMST) eine wertvolle Unterstützung sein, um ganzheitlich mit den Beschwerden im Alltag umzugehen.
Eine frühzeitige Diagnose und eine engmaschige Zusammenarbeit mit dem Arzt sind der Schlüssel, um Gelenkzerstörungen vorzubeugen und die Lebensqualität dauerhaft zu erhalten. Wenn Sie an Schuppenflechte leiden und unerklärliche Gelenk- oder Rückenschmerzen bemerken, scheuen Sie sich nicht, dies ärztlich abklären zu lassen!