Sarkoidose und ihre häufigen Begleiterkrankungen

Veröffentlicht: 14.August 2025
Author:Julia Soschinski

Was ist Sarkoidose?

Sarkoidose ist eine seltene, meist entzündliche Erkrankung, bei der das Immunsystem fehlgesteuert reagiert und in verschiedenen Organen kleine knötchenartige Zellansammlungen, sogenannte Granulome, bildet. Am häufigsten sind Lunge und Lymphknoten betroffen, doch auch Haut, Augen, Herz, Nerven oder andere Organe können in Mitleidenschaft gezogen werden. Die genaue Ursache ist bis heute nicht bekannt; man vermutet ein Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und äußeren Auslösern wie Infektionen oder Umweltfaktoren. Sarkoidose kann ohne Symptome verlaufen und sich von selbst zurückbilden, sie kann aber auch chronisch werden und Organe beeinträchtigen.

Zwei Hauptformen der Sarkoidose

Akute Sarkoidose (Löfgren-Syndrom)
Beginnt oft plötzlich und heilt in vielen Fällen folgenlos ab.
Typische Anzeichen sind:

  • Vergrößerte Lymphknoten in der Lunge
  • Rote, schmerzhafte Hautknoten (Erythema nodosum), meist an den Unterschenkeln
  • Gelenkschmerzen oder -Entzündungen
  • Fieber, Nachtschweiß, ausgeprägte Müdigkeit

Chronische Sarkoidose
Verläuft über Jahre und kann verschiedene Organe schädigen.
Typische Beschwerden:

  • Fatigue (anhaltende Erschöpfung) – das häufigste Symptom, betrifft bis zu 85 % der Betroffenen
  • Chronischer Husten, Atemnot bei Belastung
  • Augenentzündungen, Herzrhythmusstörungen, Nervenschmerzen (z. B. durch Small-Fiber-Neuropathie)

Begleiterkrankungen, die oft zusammen mit Sarkoidose auftreten

Sarkoidose tritt selten allein auf. Viele Betroffene entwickeln zusätzliche Erkrankungen, die die Beschwerden verstärken und die Behandlung erschweren können.

Migräne – Mehr als Kopfschmerzen

  • Betrifft bis zu 29 % der Patient*innen
  • Wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzattacken
  • Behandlung: Akut mit Triptanen und Schmerzmitteln wie Naproxen, vorbeugend mit Betablockern, CGRP-Antikörpern oder nicht-medikamentösen Methoden wie Bewegung und Akupunktur

Restless Legs Syndrom (RLS) – Wenn die Beine keine Ruhe geben

  • Häufigkeit: 16–52 % bei Sarkoidose
  • Unangenehme Missempfindungen und Bewegungsdrang, besonders abends oder nachts
  • Behandlung: Eisen bei Mangel, Medikamente wie Dopaminagonisten oder Gabapentin/Pregabalin; in Ausnahmefällen Opioide

Fatigue – das unterschätzte Hauptproblem

Fatigue ist weit mehr als „Müdigkeit“. Sie ist eine tiefe, körperliche und geistige Erschöpfung, die sich auch durch Schlaf nicht bessert. Bei Sarkoidose betrifft sie jeden zweiten bis fast jeden Betroffenen.

Diese Form der Erschöpfung ist in den letzten Jahren bekannter geworden, weil sie auch bei anderen Erkrankungen wie Long COVID oder ME/CFS auftritt. Für die Betroffenen bedeutet Fatigue oft einen massiven Einschnitt ins Leben: Selbst einfache Alltagsaufgaben können überfordern, berufliche und soziale Aktivitäten müssen eingeschränkt werden.

Typische Merkmale

  • Anhaltende Energielosigkeit, selbst nach Ruhephasen
  • Konzentrationsstörungen („Brain Fog“)
  • Überempfindlichkeit gegenüber Belastung – selbst kleine Anstrengungen können einen Rückschlag auslösen

Behandlungsmöglichkeiten

  • Nicht-medikamentös: Bewegung in kleinen, dosierten Einheiten (Pacing), Tagesstruktur, psychologische Unterstützung
  • Medikamentös: Eisen bei Mangel, in Einzelfällen stimulierende Medikamente wie Modafinil oder Bupropion
  • Ergänzend probieren manche Betroffene Coenzym Q10, Magnesium oder B-Vitamine – die wissenschaftliche Beweislage dazu ist aber uneinheitlich

Fatigue kann das Leben stärker einschränken als viele körperliche Symptome der Sarkoidose selbst. Deshalb ist es wichtig, dass Ärzt*innen sie ernst nehmen und gemeinsam mit den Patient*innen einen individuellen Bewältigungsplan entwickeln.

Fazit

Sarkoidose ist eine komplexe Erkrankung, die viele Gesichter hat. Neben den direkten Organbeschwerden sind es oft Begleiterkrankungen wie Migräne, Restless Legs Syndrom und vor allem Fatigue, die den Alltag am stärksten belasten. Eine umfassende Diagnostik, gezielte Behandlung und ein offenes Gespräch zwischen Ärzt*innen und Patient*innen sind entscheidend, um die Lebensqualität zu erhalten.