Wenn der Schmerz bleibt: Wege der Behandlung nach einer Borreliose
Veröffentlicht: 20.Januar 2026
Author:Julia Soschinski
PTLDS: So hilft die multimodale Schmerztherapie nach einer Borreliose-Infektion
Die Diagnose Lymeborreliose ist in Deutschland keine Seltenheit mehr; regional sind zwischen 5 und 35 % der Zecken infiziert.
Während die meisten Betroffenen nach einer standardmäßigen antibiotischen Behandlung von etwa zwei Wochen eine vollständige Rückbildung der Beschwerden erleben, bleibt bei einer Gruppe von Patient*innen ein Rätsel zurück: Die Infektion ist bekämpft, doch die Schmerzen bleiben.
Wenn die Beschwerden chronisch werden: Das PTLDS
Wenn nach einer leitliniengerechten Therapie weiterhin Symptome wie Muskel- und Gelenkschmerzen, Erschöpfung (Fatigue) oder Konzentrationsstörungen bestehen oder neu auftreten, spricht man oft vom sogenannten Post-Treatment Lyme Disease Syndrome (PTLDS).
Wichtig für Betroffene zu wissen ist: Die Studienlage zu diesem Syndrom ist uneinheitlich, und es lässt sich bisher nicht als eindeutige, eigenständige Krankheitsentität definieren. Dennoch sind die Beschwerden für die Patient*innen sehr real und belastend.
Warum weitere Antibiotika nicht die Lösung sind
Ein häufiges Missverständnis ist der Glaube, dass bei bleibenden Schmerzen noch Erreger im Körper aktiv sein müssen. Die medizinischen Leitlinien sind hier jedoch klar: Bei PTLDS-artigen Beschwerden gibt es keine Indikation für eine erneute oder gar langzeitige Antibiotikatherapie. Hochdosis- oder Kombinationstherapien mit Antibiotika zeigen keinen Erfolg, wenn die eigentliche Infektion bereits behandelt wurde.
Der Fokus: Multimodale Ansätze und symptombezogene Therapie
Da es für das PTLDS keine „ursächliche“ Heilung im Sinne eines Medikaments gegen den Auslöser gibt, rückt die symptombezogene Therapie in den Fokus. Ein moderner Behandlungsansatz basiert auf mehreren Säulen:
- Symptomorientierte Medizin: Anstatt die Borrelien zu jagen, werden die konkreten Beschwerden – wie etwa Nervenschmerzen oder Gelenkprobleme – direkt behandelt.
- Psychosoziale Anamnese: Schmerz ist niemals nur körperlich. Eine umfassende Erhebung der Lebensumstände und der psychischen Belastung ist essenzieller Bestandteil der Diagnose und Therapie.
- Differenzialdiagnostik: Es muss sorgfältig geprüft werden, ob die Schmerzen tatsächlich Folge der Borreliose sind oder ob andere Ursachen vorliegen, die gezielt behandelt werden können.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn der Körper nach einer Borreliose nicht zur Ruhe kommt, ist der Wechsel von einer rein infektiologischen hin zu einer schmerztherapeutischen und psychosozialen Begleitung der entscheidende Schritt. Ziel ist es nicht, den einen „Erreger“ zu finden, sondern die Lebensqualität durch einen ganzheitlichen Blick auf die Symptome zurückzugewinnen.