Covid19 – Wenn die Seele schmerzt

Veröffentlicht: 18.Februar 2022
M. Sc. Psych. Gina Hölters
Covid 19 – Wenn die Seele schmerzt

Covid 19 und längerfristige Folgen für Körper und Psyche – Was raten die Expert*innen

Dass die seit nunmehr über 2 Jahren andauernde weltweite Pandemie gesundheitliche und gesellschaftliche Auswirkungen auf die Allgemeinbevölkerung hat ist wohl kaum jemandem entgangen. Doch wenigen scheint tatsächlich bewusst zu sein, inwieweit Covid 19 auch nachhaltig Körper und Psyche schädigen kann, selbst wenn eine Infektion mit dem Virus ausbleibt. Mit anhaltenden gesundheitlichen Folgen ist auch nach der lang ersehnten Post-Pandemie Zeit zu rechnen. Insbesondere Personen, die bereits an psychischen und körperlichen Vorerkrankungen leiden, weisen durch die pandemiebedingten Einschränkungen ein erhöhtes Chronifizierungsrisiko (Chronifizierung beschreibt den Übergang eines vorübergehenden in einen dauerhaften Zustand) ihrer Symptomatik auf. Die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele spielt hierbei eine maßgebliche Rolle. Wenn die Psyche leidet, reagiert der Körper entsprechend auf die Belastung. Bestehen körperliche Leiden, belastet dies wiederum die Psyche und führt zu Stress. Daher sollte frühzeitig, unabhängig davon ob Vorerkrankungen bestehen oder nicht, auf beiden Ebenen agiert werden, um im Bestfall präventiv für eine gute Gesundheit von Körper und Seele zu sorgen.

Frühzeitiges Eingreifen ist wichtig:

Denn die Liste der Spätfolgen der Pandemie ist lang und wird nach wie vor unterschätzt. Unter anderem kommt es zu drastisch ansteigenden Depressionsdiagnosen bis hin zu steigenden Suizidraten, vermehrt werden Angststörungen verzeichnet (RKI, 2021). Körperliche Leiden, beispielsweise verursacht durch Migräne oder Rückenschmerzen, zeigen zunehmend chronifizierte Verläufe. Als verursachende Faktoren können zunehmende Inaktivität, soziale Isolation und das Wegbrechen positiver Aktivitäten gewertet werden. Die meiste Zeit verbringen wir Zuhause, wenn nicht sogar auf beengtem Raum. Auch existenzielle Sorgen und Unsicherheiten spielen eine Rolle. Die verzeichnete Zahl an gemeldeten Krankheitstagen steigt (siehe z.B. Krankenstandsanalyse DAK) bei gleichzeitig reduzierter Verfügbarkeit medizinischer und psychotherapeutischer Anlaufstellen. Ein Teufelskreis entsteht. Um Neuentstehung und Chronifizierung von körperlichen und seelischen Belastungen während der Pandemie effektiv entgegenzuwirken ist das A und O eine gute Struktur! Diese Tipps geben unsere ärztlichen, psychologischen und bewegungstherapeutischen Expert*innen aus der Gesundheitsbranche:

1. Sorgen Sie für „Highlights“

Da die Pandemie von sozialer Isolation, Gefühlen von Unsicherheit und einem Verlust von Hobbies im Alltag geprägt ist, braucht es nun wieder mehr Freuderleben. Dafür sollten spaßbringende Aktivitäten bewusst geplant werden. Beispielsweise verabredete Telefonate mit Freunden, die Teilnahme an einem Online Kochkurs, kleine Ausflüge…Seien Sie kreativ und probieren Neues aus! Nutzen Sie beispielsweise einen Wochenplan und tragen Sie konkrete „Highlights“ für die Woche ein, um ein Gefühl von Vorfreude zu steigern. Gerne dürfen Sie auch kleinere und schneller umsetzbare Aktivitäten mit einplanen, beispielsweise das Stricken oder das Aufkochen des Lieblingstees. Sorgen Sie für eine gute Mischung aus größeren „Highlights“ und kleinen Freuden. Falls Sie bemerken, dass die Umsetzung weniger Freude bringt als sonst, so bleiben Sie dennoch dran. Zunehmende Inaktivität birgt ein Risiko für Depressivität. Ein sogenannter „positiver Aktivitätenaufbau“ (nach Hautzinger) beugt depressiven Einbrüchen vor und kann helfen sozial angebunden zu bleiben.

2. Frische Luft und Bewegung

Eine leichter umsetzbare und antidepressiv wirkendende Strategie ist das Spazierengehen. Die eigenen vier Wände zu verlassen ist heilsam für Körper und Seele. So sorgen Sie für einen Tapetenwechsel und können überschüssige Energie oder sorgenvolle Gedanken „ablaufen“. Hier muss es nicht zwangsläufig um die geleistete Wegstrecke gehen. Versuchen Sie auch hier eine fest eingeplante Routine zu etablieren. Beispielsweise könnte ein erweiterter Spaziergang nach der Arbeit vor der Heimkehr ein gutes „Feierabendritual“ darstellen, bei welchem Sie die Arbeit buchstäblich „hinter sich lassen“ können. Falls Sie im Homeoffice arbeiten kann ein kurzer Gang um den Block morgens als simulierter Arbeitsweg dienen. Eine Runde in der Mittagspause hilft beim Abschalten. Achten Sie zudem darauf im Bestfall weiterhin sportlich aktiv zu bleiben, hier unterstützen Online-Kurse und verabredete Einheiten mit Freunden via Video. Stehen Sie beim Arbeiten öfter mal auf und strecken sich, das beugt Erschöpfbarkeit vor und fördert die Konzentration. Nehmen Sie öfter mal die Treppe anstatt den Aufzug als „Training für die Lunge“. So bleibt Ihnen eine bessere Grundkondition erhalten. Nicht verzagen, wenn diese Neuerungen zu Beginn schwerfallen. Feste Routinen stellen sich nach ca. 6-8 Wochen ein und gehen dann leichter von der Hand.

3. Effektive Pausensetzung

Gerade im Homeoffice kann der Alltag sehr zäh und monoton ablaufen, es besteht wenig bewusster Wechsel zwischen dem Arbeits- und Pausenmodus. Planen Sie Pausen fest ein und stellen Sie sich eine Erinnerung im Handy oder einen Wecker. Setzen Sie sich zudem feste Arbeitszeiten, um ein dauerhaftes „Festsitzen“ am Schreibtisch zu vermeiden. Fangen Sie zu festen Uhrzeiten in der Früh an und hören Sie konsequent zur geplanten Zeit auf. Ideal ist dann ein Raumwechsel. Wenn Sie nur die tatsächliche Arbeitszeit am Arbeitsplatz verbringen, dann machen Sie sich Konditionierungsprinzipien zu ihren Gunsten zu nutzen. Denn Pause bedeutet Pause. Laptop und Schreibtisch werden für Viele mit dem Thema Arbeit verknüpft. Wer in der Pause am Schreibtisch sitzen bleibt läuft Gefahr, unbewusst weiterhin die Assoziation zu Arbeitsthemen zu haben und in entsprechender körperlicher Anspannung zu verharren. Also bitte in der Pause und Freizeit den Laptop zu machen und den Schreibtisch verlassen. Gerade bei einer Anfälligkeit für Kopfschmerzen und Konzentrationsproblemen sind frühzeitige Pausen wichtig. Migräneanfällige beispielsweise sollten in regelmäßigen Zeitabständen pausieren, nicht erst, wenn gefühlter Bedarf besteht und die Erschöpfung bereits zu groß ist. Belohnen Sie sich dann auch für Geschafftes mit einem frischen Tee oder einem heißen Bad am Abend, im Sinne eines Selbstfürsorgerituals.

4. Holen Sie sich rechtzeitig Unterstützung

Es ist ganz normal, dass die Pandemie psychisch und körperlich so einiges abverlangt, daher ist ein gesundes Maß an Entlastung heilsam. Sei dies zunächst das Gespräch mit der Freundin oder der Besuch bei den Eltern. Bitten Sie in ihrem Umfeld um Hilfe bei der Betreuung der Kinder oder der Haushaltsgestaltung. Sprechen Sie mit ihrem Hausarzt und schildern Sie ihre Schwierigkeiten und Symptome. Im Zweifelsfall ist es besser verfrüht zu handeln als zu spät, da auch präventiv Leid vorgebeugt werden kann und eine mögliche Chronifizierung vermieden wird. Greifen Sie bei Bedarf auch auf videogestützte Angebote zurück. Auf therapie.de und der Psychotherapeutensuche der Psychotherapeutenkammer Bayern (PTK) lassen sich über die Onlinesuche freie Psychotherapieplätze finden. Falls Sie seit oder während der Pandemie mit Schmerzsymptomatik jeglicher Art zu kämpfen haben, dann lohnt sich der Gang zu unserer Algesiologikum Tagesklinik für Schmerzmedizin. Egal ob Kopf-, Rücken, Glieder-, Tumor- oder Ganzköperschmerzen, wir helfen wir Ihnen dabei, Ihr/ eigene/r Schmerzexpert*in zu werden und geben ihnen wirksame und umsetzbare Tools an die Hand. Gerne können Sie uns dazu kontaktieren.

Ihr Team der Algesiologikum Tagesklinik

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